Home > Alltag > Reisetagebuch des Projektbesuchs Mai 2017

Im Mai 2017 reiste unser 1.Vorsitzender Heinz Seitz wieder nach Uganda, um die Schule und das Waisenhaus zu besuchen. Es war wieder ein volles Programm organisiert worden, auch wenn diesmal der Regen einen Strich durch die Rechnung machte. Seine Erlebnisse hat er wie immer in einem Resisetagebuch festgehalten.

Dienstag, 2.5.17

Von Brüssel aus ging es Richtung Uganda.

Mein Flug startete um 10:40 Uhr in Brüssel. Wie die letzten Male auch, landete ich ohne Verspätung um 19:50 Uhr in Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt Ugandas. Es war sehr regnerisch und die Straßen, die Häuser und die Luft waren nass und feucht. Meine Unterkunft hatte ich diesmal bei Leslie, einer Amerikanerin, gebucht, die in Kampala bei einem Institut arbeitet, dass sich mit einem Impfstoff für HIV-infizierte Menschen beschäftigt. Sie hatte mir auch Billy, den Taxifahrer, geschickt, der mich vom Flughafen abholte. Bei Leslie wurde ich sogleich von drei freundlichen Hunden empfangen. Sie war sehr gastfreundlich und bereitete mir noch ein Abendbrot mit einem exzellenten Kaffee.

Mittwoch, 3.5.17

Geschlafen habe ich in dieser Nacht nicht allzu gut, da der Regen sehr laut gegen das Haus prasselte. Das ausgiebige Frühstück samt Kaffee am Morgen, richtete meinen Zustand wieder. Um 11:00 Uhr kam unser Schulkoordinator Rogers um mich abzuholen und um gemeinsam nach Masaka zu fahren. Gegen 13:00 Uhr überquerten wir den Äquator, bei für Äquatorverhältnisse bescheidenen 26 Grad. Um 15:00 Uhr erreichten wir Masaka und fuhren von dort noch 6 km bis ins Dorf Buyali, in welchem sich die Schule befindet.

Der Äquator in Uganda.

Wie immer wurde ich sehr herzlich durch die Schüler*innen und Angestellten der Schule empfangen. Da der Schulterm bereits am 28. April endete, waren nur noch die Schüler*innen der 6. und 7. Klasse anwesend, zusammen etwa 50 Personen. Während wir in Deutschland das Schuljahr in zwei Schulhalbjahre teilen, werden in Uganda die Schuljahre gedrittelt. Daher spricht man dort von einem Schulterm.

Was ich bereits bei der Ankunft feststellen konnte war, dass die Felder sich gut entwickelt hatten. Der Mais und die Tomaten, die dort angepflanzt wurden, sahen gesund und kräftig aus. Der lang ersehnte Regen war vor einigen Wochen gefallen, was für eine ziemlich positive Stimmung sorgte. Nach weiteren kurzen Gesprächen mit den Mitarbeiter*innen ging es zu meiner Unterkunft nach Masaka in die Villa Katwe. Sie ist für mich mittlerweile nach den vielen Besuchen schon ein herrlich vertrauter Ort geworden.

Donnerstag, 4.5.17

Die erste Nacht in der Villa Katwe schlief ich gut. Das Frühstück dort ist für mich bei jedem Besuch etwas Besonderes. Die Temperatur lag nur bei knapp 20 Grad, was sehr angenehm war. Viele meiner Freunde zu Hause verbinden mit Afrika im Allgemeinen und Uganda im Speziellen meist Temperaturen von über 30 Grad, was aber gar nicht immer zutreffend ist. Um 10:00 Uhr holte Mr. Rogers mich ab, damit wir gemeinsam in der Stadt einkaufen konnten. Die Kinder sollten auch bei diesem Besuch wieder etwas leckeres zu Essen und zu Trinken bekommen.

Brote mit Erdnussbutter und Limonade sind immer wieder etwas Besonderes.

Wir kauften auf dem Markt Brot, Erdnussbutter, Limonade und Lutscher. Außerdem packten wir noch einige Stücke Kuchen mit in unsere Einkaufstüten. Danach ging es zurück zur Schule. Aus Deutschland hatte ich Kleidung für die Kinder mitgebracht, welche wir gemeinsam verteilten. Außerdem gab es zu den geschmierten Broten jeweils eine Limonade. Wie immer in den Gesichtern danach ein breites Grinsen.

Am Abend lud ich dann fünf Angestellte der Schule zum Essen ein. Das mache ich schon lange so, da man in entspannter Atmosphäre Gespräche führen kann, die sonst so nicht entstehen würden. Es bietet außerdem eine Möglichkeit die Wertschätzung des Fördervereins William’s Hill gegenüber den Mitarbeiter*innen auszudrücken.

Freitag, 5.5.17

Zucker und Seife haben in den ländlichen Regionen Ugandas den Status eines Luxusguts.

Heute stand ein Besuch der Eltern in den umliegenden Dörfern an. Als kleines Präsent hatten wir für die Eltern Zucker und Seife mitgenommen, sowie Lutscher für die Kinder. Insgesamt kamen wir auf ca. 50 kg Zucker und 20 Stangen Seife, die aus jeweils 6 Stücken bestanden. Wir besuchten in den Dörfern zwölf Guardians (Pflegeeltern) und fünf Eltern von „poor children“, wie dort die bedürftigen Kinder genannt werden. Es war sehr ergreifend, wie sich die Menschen über Zucker und Seife gefreut haben. Mit den dortigen Verdienstmöglichkeiten sind diese Produkte fast unerschwinglich und gelten als Luxusgut. Man muss den Hut davor ziehen, dass Menschen, die ohnehin schon wenig besitzen, auch noch Waisenkinder aufnehmen. Wir trafen auch die Pflegemutter eines kleinen Jungen mit Albinismus, die mir drei große Avocados schenkte. Eine andere ältere Dame, deren Alter ich unmöglich schätzen konnte, schenkte mir einer Tüte mit Guaven.

Insgesamt gestaltete sich die Rundfahrt allerdings etwas schwierig, da es wieder einmal die ganze Nacht sintflutartig geregnet hatte. Die unbefestigten Straßen waren total verschlammt und extrem rutschig. Für unseren Schulkoordinator Mr. Rogers schien das alles aber gar kein Problem zu sein. Er steuerte den Wagen extrem souverän durch den Schlamm. Am Abend stand wieder ein gemeinsames Essen mit einigen Mitarbeiter*innen der Schule auf dem Programm.

Samstag, 6.5.17

Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schule.

Am Samstag fand das Meeting mit den Mitarbeiter*innen und dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Mr. Tomusange statt. Ursprünglich sollte der Termin um 10 Uhr beginnen. Er konnte aber leider nicht gehalten werden, da die Straße zur Schule durch den nächtlichen Regen stark verschlammt war. Zudem blockierten zwei nicht mehr manövrierfähige Fahrzeuge die Straße. Um 12 Uhr konnten wir endlich beginnen. Das Treffen begann mit einer Rede Mr. Tomussanges. Er bedankte sich bei den Angestellten für die geleistete Arbeit und begrüßte zudem zwei neue Lehrer. Ein Lehrer hatte die Schule zuvor aus persönlichen Gründen verlassen. Ein Lehrer musste sie verlassen, weil er Voodoo auf dem Schulgelände praktizierte. Ansonsten gab es jedoch viel Positives zu berichten. Die Primary School Williams Hill belegte bei der Leistungsbeurteilung im District Masaka den dritten Platz. Hierbei wird die Durchschnittsnote aller Schülerinnen und Schüler, der siebten Klasse verglichen. Ein tolle Leistung von Belegschaft und Schüler*innen.

Sonntag, 7.5.17

Der Mais hat sich in diesem Jahr sehr gut entwickelt.

Am Sonntag war kein fester Termin geplant. Allerdings war in der Nacht der Strom ausgefallen und ich musste kalt duschen – danach war ich hellwach. Mr. Rogers holte mich um 10:30 Uhr ab und wir fuhren auf direktem Wege zur Schule. Dort angekommen wurden wir von einigen Eltern und Pflegemüttern empfangen, die wir gestern, bei unserer Fahrt durch die Dörfer, nicht angetroffen hatten. Sie waren zur Schule gekommen, um auch etwas vom Zucker und der Seife zu bekommen. Wir hatten glücklicherweise noch genügend übrig und konnten diese dann abgeben. Auch hier wurden wir wieder mit Gesten der Dankbarkeit überschüttet. Ein bewegendes Gefühl. Fast surreal, wenn man bedenkt welchen Wert Seife und Zucker in Westeuropa haben und wie selbstverständlich beides hier genutzt wird. Danach begab ich mich auf meinen typischen Rundgang über das Schulgelände und die dazugehörigen angrenzenden Felder.

Auf den Feldern werden zur Zeit Mais, Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln angepflanzt – zur Selbstversorgung. Alles wuchs hervorragend. Es werden gute Ernten werden, ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als eine ausgefallene Regenzeit eine miserable Ernte verursacht hat. Laut Aussage einiger Dorfbewohner, haben sich diese Ausfälle in den letzten Jahren gehäuft.

Montag, 8.5.17

Der Weg zur Schule ist oft in einem problematischen Zustand.

Am Montag, kurze Zeit vor meiner Abfahrt nach Entebbe, stand letztmalig ein Besuch der Schule auf dem Tagesprogramm. Leider war durch den starken nächtlichen Regen die Straße zur Schule, so stark verschlammt und durch querstehende Fahrzeuge blockiert, dass ein Besuch nur mit einem Hubschrauber möglich gewesen wäre. So musste ich mich notgedrungen telefonisch von den Schüler*innen und Mitarbeiter*innen verabschieden. Mr. Rogers fuhr mich zu meiner Unterkunft nach Entebbe, wo sich auch der Flughafen befindet. Beides ist ca. 35 km von der Hauptstadt Kampala entfernt. Übernachtet habe ich dort wieder bei Leslie.

Dienstag, 9.5.17

Die Zeit bis zum Abflug „vergammelte“ ich bei Leslie. Das Nichtstun ist für mich der beste Weg die Zeit Revue passieren zu lassen. Außerdem mussten diese Zeilen noch geschrieben werden. Der Rückflug ging am Abend von Entebbe über Kigali (Hauptstadt von Ruanda) nach Brüssel. Morgens landete ich pünktlich und früh morgens in Brüssel. Mit dem Auto ging es dann zurück nach Bedburg-Hau.

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*