Home > Allgemein > Reisetagebuch des Projektbesuchs November 2016

Auch im November vergangenen Jahres machten sich wieder drei Unterstützer von W.H. auf den Weg nach Uganda, um sich vor Ort über die aktuellen Ereignisse und den Entwicklungsstand ein Bild machen zu können. Unterwegs nach Afrika waren unser 1. Vorsitzender Heinz Seitz, Monika Pantelatos und Anne Seitz, die die Erlebnisse in einem Reisetagebuch zusammengefasst hat.

1. Tag, Dienstag

Am 15.11.2016 ging es endlich wieder gen Uganda. Non-Stop flogen wir von Brüssel nach Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt Ugandas. Am Abend angekommen verbrachten wir unsere erste Nacht in Flughafennähe und schon bald konnten wir Afrika wieder riechen und spüren.

2. Tag, Mittwoch

Die Begrüßung durch die Kinder ist bei jedem Projektbesuch ein Highlight.

Nach unserer ersten Nacht unter afrikanischem Himmel wurden wir um 10:00 Uhr vom Schulkoordinator Rogers abgeholt. Nach einer herzlichen Begrüßung ging es schon los: Eine ca. vierstündige Autofahrt mit Stopp am Äquator lag vor uns, bevor wir am Nachmittag nahe der Schule in Masaka eintrafen. Die Fahrt klappte reibungslos, was auf Afrikas Straßen nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Unser erster Weg führte zur Schule. Wir wurden wieder sehr fröhlich und herzlich begrüßt, alle Kinder empfingen uns singend, einstudierte Tänze wurden aufgeführt. Erste Gespräche mit den Mitarbeitern folgten, dann ein kurzer Spaziergang über das Schulgelände und schon waren wir wieder umringt von den Kindern. Ganz unterschiedliche Kinderaugen fixierten uns: traurige, fröhliche, fragende und hoffnungsvolle. Anschließend fuhren wir zu unserer Unterkunft, die nur ca. 10 Minuten von der Schule entfernt war, so dass wir nicht viel Zeit fürs Hin-und-her-Fahren benötigten. Dort angekommen ließen wir die ersten Eindrücke sacken, setzten uns ans Lagerfeuer und besprachen die aktuelle Situation in der Schule.

3. Tag, Donnerstag

Nach einer regenreichen Nacht wurden wir gegen 10 Uhr von einem Mitarbeiter der Schule abgeholt. Die schon vorher sehr schlechten Straßen waren nun völlig verschlammt – eine abenteuerliche Fahrt begann. Zunächst fuhren wir nach Masaka, um dort Brot, Erdnussbutter und Getränke für die Kinder zu kaufen. Wir hatten uns vorgenommen, für jedes Kind eine Scheibe Brot mit Erdnussbutter zu schmieren. Dazu sollte jeder eine Cola oder Limonade bekommen. Zurück in der Schule angekommen halfen uns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weit mehr als 200 Scheiben Brot zu schmieren. Da waren wir erst einmal beschäftigt!

Kistenweise Butterbrote mit Erdnussbutter für die Kinder.

Nach Schulschluss bekam dann jedes Kind den „Festschmaus“. Welch eine Freude! Jedes Kind bedankte sich persönlich bei uns mit einem Knicks. Bei Essen herrschte statt der sonstigen Aufregung eine beeindruckende Stille: jedes Kind suchte sich einen Platz auf der Wiese und genoss seine Stulle.

Nach dem Essen folgte das nächste „Highlight“: Jedes Kind bekam ein Kleidungsstück, welches wir aus Deutschland mitgebracht hatten. Viele unserer Spenderinnen und Spender sammeln immer wieder gut erhaltene Kinderkleidung, die wir bei unseren Projektbesuchen mit nach Afrika nehmen und dort an die Kinder verteilen. Gefühlte 1000 Kinderhände streckten sich uns beim Verteilen entgegen. Jeder und jede wünschte sich eine schönes, neues T-Shirt, Röckchen oder ähnliches. Gegen 16 Uhr fuhren wir wieder zu unserer Unterkunft und ruhten uns etwas aus, um am Abend mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemeinsam zu essen. Dort wurden zunächst aktuelle Probleme und Herausforderungen, von der Versorgung mit Essen bis hin zur Finanzierungsplanung des aktuellen Jahres, besprochen. Später wurden auch private Dinge ausgetauscht. Eben dieser Austausch stellt sich immer wieder als essentiell für eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit heraus und ist auch mit den modernen Möglichkeiten der Kommunikation nicht vollständig zu ersetzen.

4. Tag, Freitag

Heute ging es erneut nach Masaka, um Spiel- und Freizeitutensilien zu kaufen. Wir kauften Fahrräder, Flip-Flops, Bälle, Hula-Hoob-Reifen, Ballspiele und jede Menge Süßigkeiten. All dies hätte natürlich nicht ohne unseren einheimischen Mitarbeiter geklappt, alleine wären wir völlig überfordert gewesen. Es war so schon aufregend genug. Am Nachmittag fand ein Treffen mit den Angehörigen der Waisenkinder statt. Für uns Ehrenamtliche ist es eine weitere Möglichkeit das Geschehen vor Ort besser zu verstehen und unsere Aktivitäten näher an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.

Eifriges Testen der neuen Spielgeräte.

Anschließend wurden den Kindern die Spielsachen gezeigt, worüber sie sich riesig freuten. Außerdem wurden 10 Säcke a 50 kg Maismehl geliefert, die wir geordert hatten, da die Kinder wegen der erneut schlechten Ernte sonst weniger zu essen bekommen hätten. Zum Abschluss gingen wir nochmal in jede Klasse und verteilten Süßigkeiten. Die Freude über einen Lutscher oder ein Bonbon ist immer wieder unglaublich.

Beim Abendessen mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diskutierten wir unterschiedliche Möglichkeiten den fünf HIV infizierten Kindern eine an die Erkrankung angepasste Ernährung zukommen zu lassen. Wir erhielten eine exakte Aufstellung aller notwendigen Nahrungsmittel mit den dazugehörenden Kosten. Die genaue Prüfung wird stattfinden, sobald wir wieder in Deutschland sind.

5. Tag, Samstag

Die Straßen in Uganda stellen oft eine Herausforderung dar.

In der Nacht hatte es erneut heftig geregnet, die Straßen waren völlig verschlammt, wir mussten Umwege über Dörfer fahren, haben dabei jedoch viel gesehen, was wir sonst nie zu Gesicht bekommen hätten. Das war schon sehr interessant. Die Einheimischen waren übrigens überglücklich, dass es soviel geregnet hatte, da es in den letzten Monaten viele Tote durch die Hungersnot (zurückzuführen auf die anhaltende Trockenheit) gab. Auf dem Weg zur Schule kauften wir reichlich  Bananen und Cola für die Kinder, da es heute ein großes Sport- und Spielfest gab. Lehrer und Schüler wurden in vier Länder-Gruppen aufgeteilt und haben den ganzen Tag die verschiedensten Spiele und Sportarten gegeneinander ausgetragen. Z.B. Sackhüpfen, Eierlaufen, Fußball, Staffellauf und viele mehr. Alle hatten unglaublich viel Spaß, aber auch Ehrgeiz. Und wir mittendrin! Wir waren sozusagen Schirmherr für die jeweilige Gruppe. Zum Abschluß gab es eine Siegerehrung, bei der auch viele Kinder für gute sportliche Leistungen während des letzten Schuljahrs geehrt wurden. Die beiden Siegergruppen erhielten jeweils eine Ziege. Am Ende des Schuljahrs wird es ein Fest geben, wozu die Gruppen des 3. und 4. Platzes eingeladen werden – dann wird gemeinsam gefeiert. Ein anstrengender Tag für uns, abends waren wir ganz schön erschöpft.

6. Tag, Sonntag

Für die Kinder wurden mehrere neue Fahrräder angeschafft.

Am Sonntag fand kein Unterricht statt, so dass endlich die neuen Spielsachen eingeweiht werden konnten. Die Kinder durften alles benutzen. Die Lehrer achteten darauf, dass es keinen Streit gab. Beim Fahrradfahren gab es einige Schwierigkeiten, da die meisten Kinder noch nie auf einem Fahrrad gesessen hatten. Aber Dank gegenseitiger Hilfe kam es nicht zu schlimmeren Stürzen. Alle Beteiligten hatten viel Spaß und es war eine willkommene Abwechslung im sonst oft tristen Alltag der Kinder.

7. Tag, Montag

 

Zur Verabschiedung gibt es für jedes Kind noch eine Süßigkeit.

Ein letztes Mal fuhren wir zur Schule, um uns dort von den Kindern und Mitarbeitern zu verabschieden. Wir gingen nochmal in jede Klasse und verteilten Süßigkeiten und je zwei Bälle pro Klasse. Einen für die Mädchen und einen für die Jungen. Die Freude bei den Kindern war wie immer riesengroß. Nach vielen herzlichen Umarmungen und guten Wünschen ging es nun wieder Richtung Kampala. Dort Besuchten wir noch einen Kunsthandwerkermarkt und kamen am Abend in unserer Unterkunft in Entebbe an – und hatten keinen Strom. Gut, dass es viele Kerzen im Haus gab.

8. Tag, Dienstag

Unseren letzten Tag in Uganda verbrachten wir in aller Ruhe am Haus, hielten Rückblick auf die Woche und stellten fest, dass es eine gute Woche war. Wir konnten durch intensive Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Probleme identifizieren und gemeinsam nach gangbaren Lösungen für die Ernährung der HIV-positiven Kinder suchen. Die gemeinsamen Erfolge stärken das Vertrauen untereinander. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an all unsere Spenderinnen und Spender. Ohne Sie würde dieses Projekt nicht existieren.

Heinz Seitz im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort.

Am Abend ging unser Rückflug nach Brüssel mit einer Zwischenlandung in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Am nächsten Morgen kamen wir, mit vielen Eindrücken im Gepäck, wieder zu Hause an. Jetzt geht die Arbeit in Deutschland weiter, bis zu unserem nächsten Besuch.

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